
Die neurologische Entwicklung eines Kindes beginnt bereits vor der Geburt. In den ersten Lebensmonaten wird die Entwicklung durch angeborene frühkindliche Reflexe gesteuert. Diese automatischen Bewegungs- und Reaktionsmuster unterstützen wichtige Entwicklungsschritte wie Geburt, Nahrungsaufnahme, Kopfkontrolle, Gleichgewicht, Krabbeln und die spätere Aufrichtung gegen die Schwerkraft. Im Verlauf der normalen Entwicklung werden diese Reflexe zunehmend von höheren Hirnzentren gehemmt und durch willkürlich steuerbare Bewegungen ersetzt.
Verläuft dieser Reifungsprozess nicht vollständig, können einzelne Reflexmuster länger aktiv bleiben oder wichtige Halte- und Stellreaktionen nur unzureichend ausgebildet sein. Dies wird als neuromotorische Unreife bezeichnet. Nach dem theoretischen Ansatz der INPP-Methode kann dies Auswirkungen auf Lernen, Verhalten, Aufmerksamkeit, Koordination und Wahrnehmungsverarbeitung haben.
Mögliche Anzeichen sind:
Natürlich können diese Symptome viele verschiedene Ursachen haben. Die INPP-Testung dient daher dazu, mögliche neuromotorische Einflussfaktoren genauer zu untersuchen.

Die neuromotorische Entwicklungsförderung nach INPP folgt einem klar strukturierten Ablauf. Ziel ist es, mögliche Zusammenhänge zwischen der neurologischen Reifung und den aktuellen Schwierigkeiten eines Kindes zu erkennen und gezielt zu fördern. Dabei steht nicht die Behandlung einzelner Symptome im Vordergrund, sondern die Unterstützung grundlegender Entwicklungsprozesse des Nervensystems.
1. Ausführliches Anamnesegespräch
Zu Beginn findet ein ausführliches Elterngespräch statt. Dabei werden Informationen zur Schwangerschaft, Geburt, frühkindlichen Entwicklung sowie zu den aktuellen Herausforderungen des Kindes gesammelt. Gemeinsam wird betrachtet, ob die beobachteten Schwierigkeiten möglicherweise mit einer neuromotorischen Unreife zusammenhängen könnten.
2. Neuromotorische Testung
Anschließend erfolgt eine umfangreiche Untersuchung des neuromotorischen Entwicklungsstandes. Je nach Alter und Fragestellung werden unter anderem folgende Bereiche überprüft:
Die Diagnostik ermöglicht eine differenzierte Einschätzung der neurologischen Reife und ihrer möglichen Auswirkungen auf Lernen, Verhalten und Motorik.
3. Auswertung und Beratung
Nach Abschluss der Untersuchung werden die Ergebnisse ausführlich besprochen. Dabei wird erläutert, welche Zusammenhänge zwischen den Testergebnissen und den Schwierigkeiten im Alltag, Kindergarten oder in der Schule bestehen können. Gemeinsam werden realistische Ziele und die weitere Vorgehensweise festgelegt.
4. Individuelles Übungsprogramm
Auf Grundlage der Untersuchung wird ein persönliches Förderprogramm erstellt. Die Übungen orientieren sich an natürlichen Entwicklungsschritten des Nervensystems und werden individuell auf das Kind abgestimmt.
Die tägliche Durchführung zu Hause nimmt in der Regel nur wenige Minuten in Anspruch. Entscheidend für den Erfolg sind Regelmäßigkeit, Genauigkeit und die Unterstützung durch die Eltern. Schriftliche Anleitungen erleichtern die Umsetzung im Alltag.
5. Regelmäßige Verlaufskontrollen
Etwa alle sechs bis acht Wochen finden Kontrolltermine statt. Dabei werden:
So kann die Förderung kontinuierlich an den aktuellen Entwicklungsstand angepasst werden.
